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Schlafmohn - Papaver somniferum

Wer jetzt durch unsere schöne Heimat fährt, sieht sie und erfreut sich an ihrer rosaroten Blütenpracht – die Mohnfelder des Waldviertels.
Der Schlafmohn aus der Familie der Papaveraceae gilt seit der Antike als alte Kulturpflanze und war vor allem in Europa, Nordafrika und SW-Asien bekannt. Die einjährige Pflanze mit den typischen Samenkapseln wird bis zu 1,5m hoch und blüht neben rosa auch noch gerne mit weißen oder violetten Blüten, im Gegensatz zum Klatschmohn, der mit seinen typisch zinnoberroten Blüten zur selben Pflanzenfamilie zählt.
Es sind sogenannte Alkaloide, die als Inhaltsstoffe pharmazeutisch verwendet werden, allen voran das Morphin, bekannt für seine schmerzstillenden und euphorisierenden Eigenschaften sowie das hustenreizstillende Codein, um nur die 2 wichtigsten der über 40 verschiedenen Alkaloide. Gewonnen werden sie aus dem getrockneter Milchsaft durch Anritzen der unreifen Früchte.

Die Entdeckung

Entdeckt wurde Morphium bereits 1804 durch den Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner (geb. 1783 im deutschen Paderborn Nordrhein-Westfahlen)

Opium wie der getrocknete Milchsaft genannt wird, war damals sehr in Mode, galt als Allheilmittel schlechthin und erfreute sich besonderer Beliebtheit. Paracelsus etwa gab Opium auch den Namen „Laudanum“, was so viel wie „ das Lobenswerte“ bedeutet. Das Problem jedoch war, das  trotz sorgfältiger Herstellung die Wirkung der Opiumpräparate immer sehr unterschiedlich war, entweder zu stark oder zu kurze schlafmachende Wirkung. Sertürner glaubte an eine bessere Dosierungsmöglichkeit wenn es gelänge den Reinstoff Morphin  zu isolieren und damit hatte er Recht.

Der Name Morphium wurde nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume und Sohn von Hypnos, dem Schlafgott gefunden.


Wie wirkt Morphium?

  • Hauptsächlich schmerzstillend auf verschiedenen Ebenen des Körpers
  • dockt an bestimmen Stellen der Nervenbahnen und im ZNS an
  • verhindert so einerseits die Schmerzweiterleitung im Rückenmark und beeinflusst auch jede Stelle im Gehirn , welche für die Verarbeitung von Schmerz zuständig ist

Wann wird Morphium eingesetzt?

Morphium zählt zu den so genannten hochpotenten Analgetika, also besonders stark wirksamen Schmerzmitteln der 3.Stufe nach dem WHO-Stufenschema (Empfehlung zum Einsatz von Analgetika und anderen Arzneimitteln im Rahmen der Schmerztherapie).
Es wirkt daher besonders gut gegen Schmerzen während und nach Operationen oder nach schweren Unfällen und Verletzungen, ist jedoch auch bei der Behandlung von starken Schmerzen des Bewegungsapparates wie Osteoporose beispielsweise und Tumorschmerzen nicht mehr wegzudenken.

Welche Nebenwirkungen hat es?

Besonders am Beginn der Therapie kommt es häufig zu Übelkeit, Kreislaufproblemen, Müdigkeit und Verwirrtheit (Autofahren ist erst nach einer gewissen Zeit möglich). Diese Beschwerden bessern sich meist bei längerer Therapiedauer. Darüber hinaus können  Verstopfung oder Probleme beim Harnlassen auftreten.
Morphium als Reinsubstanz wirkt euphorisierend, beruhigend und schlaffördernd und  verengt die Pupillen. Da es dosisabhängig die Atmung beeinträchtigt, sind Medikamente mit Morphium  streng rezeptpflichtig und müssen genauestens dosiert werden.

Aus Schlafmohn werden aber noch weitere Arzneimittel gewonnen bzw. dient als Vorbild, um synthetisch nachgebaut zu werden, unter anderem das schwächer schmerzstillendwirkende Codein, welches  das Hustenzentrum beruhigt und deshalb bei Reizhusten eingesetzt wird.

Noscapin, ein weiteres Alkaloid, ist ebenfalls ein spezifisches Mittel gegen Hustenreiz, wirkt jedoch nicht schmerzstillend  und hat den Vorteil, nicht müde zu machen.

Und zum Schluss…

nicht zu vergessen die guten Mohnmehlspeisen! Hier kann man ungetrübt genießen und muss keine Dosierungsvorschriften beachten – höchstens die der Waage!

 

Einen schönen Sommer wünscht

Mag.phamrm. Irina Schwabegger-Wager


  




   
      
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